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Was tun, wenn Zeit zum Üben minimal ist?

By April 16, 2019 No Comments

Es wird immer wieder Wochen geben, in denen die Zeit zum Üben eng ist. In manchen Wochen wirst Du an ein paar Tagen Zeit finden und in anderen gar keine. Du wirst ganze Perioden erleben, in denen Du überhaupt nicht zum Üben kommst. Dafür kann es viele verschiedene Gründe geben, wie zum Beispiel Trauerfälle, Stress in der Arbeit, Prüfungen, krankheitsbedingt, usw. Meistens sind diese Situationen nicht geplant, aber das sollte uns nicht davon abhalten Spass am Spielen zu haben, wenn wir die Zeit dafür finden. Meistens sind Engpässe kurzfristig und gewöhnliche Übungszeiten können innerhalb weniger Wochen oder Monaten fortgesetzt werden.

Einige Schüler haben mir verraten, dass sie ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie nicht geübt haben, oder dass sie Angst haben ihren Lehrer bzw. ihre Band enttäuscht zu haben. Folgend verrate ich dir meine Gedanken zu diesem Thema. Lies es dir genau Durch und denke über die Strategie nach, denn es funktioniert wirklich.

Ich bitte meine Schüler nur, dass sie Üben wenn sie Zeit dafür finden und dann nur solange es ihnen möglich ist. Wenn Du eine Musikkarriere anstrebst, musst Du natürlich täglich üben. Die meisten Schüler spielen aber nur weil es ihnen Spass macht und Üben nimmt daher einen sekundären Platz in ihrem Leben ein. Familie, Job, und ähnliches kommt generell an erster Stelle. Alle guten Lehrer haben dafür Verständnis, genauso wie ich. Der Übungszeitplan, den ich für meine Schüler erstelle, ist daher auch nur ein Wegweiser und muss nicht 100% eingehalten werden.

Sprich mich immer gerne an, wenn Du weniger Zeit zum Üben hast. So können wir Deinen Übungszeitplan anpassen. Und denk daran, ich bitte Dich nur zu Üben wenn Du die Zeit dafür findest und nur solange es Dir möglich ist.

Es gibt Schüler, die glauben es ist besser nicht zur nächsten Lektion zu kommen, wenn sie zu wenig oder gar nicht geübt haben. Fühl Dich nie schuldig, wenn Du zu einer Lektion kommst obwohl Du nicht viel geübt hast. Ich hätte gerne, dass Du zu jeder Stunde kommst. Egal wie viel Du seit der letzten Stunde gespielt hast, es gibt immer etwas für uns zu tun, wie ich Dir in den nächsten Absätzen schildere.

Gib einfach zu Beginn der Lektion Bescheid, dass Du wenig Zeit zum Üben hattest und ich kann die Lektion anpassen. Das ist wichtig! Auch wenn ich generell innerhalb weniger Sekunden sagen kann wie viel Du seit der letzten Lektion geübt hast – es ist immer gut, wenn Du es mir gleich am Anfang sagst J

Auch wenn Du gar keine Zeit zum Spielen finden konntest, gibt es vieles das wir machen können. Hauptsächlich können wir den Inhalt der letzten Lektion wiederholen und sicherstellen, dass Du Dich an alles erinnern kannst. Und wir können die Stunde zum Üben verwenden, genauso wie Du auch zu Hause üben würdest, nur dass Dein Lehrer dabei ist – was sehr hilfreich ist, wie Du in den nächsten beiden Absätzen sehen wirst.

Während meinem Aufbaustudium habe ich einen Artikel über Sporttrainer gelesen, die ihren Spielern nicht erlaubt haben zu Hause bzw. alleine zu trainieren. Der Coach musste immer anwesend sein, wenn das Team ihre Bewegungen und Übungen praktizierte. Warum war das wohl so? Etwa weil sie ihre Bewegungen nur in der Anwesenheit des Coaches korrekt machten und sich keine schlechten Gewohnheiten aneigneten? Du liegst genau richtig. Das war der Hauptgrund hinter dieser Taktik.

Ähnlich ist die Geschichte des berühmten Jazz und Studio-Gitarristen Bucky Pizzarelli. Er hat seinem Sohn, John, nur erlaubt in seiner Präsenz zu üben. Bucky’s Grund war, dass er nicht wollte, dass sein Sohn Zeit verschwendet und schlechten Gewohnheiten verfällt. Interessant, findest Du nicht?

Also, ich nehme Üben nicht ganz so ernst. Denn ich kann nicht immer für Dich da sein, wenn Du übst und zudem sind diese zwei Beispiele aus der professionellen Welt. In der Amateurwelt können wir diese Strategie aber trotzdem verwenden, wenn wir wenig oder keine Zeit zum Üben finden können.

Manche Schüler sind der Meinung, es wäre eine gute Strategie den Unterricht zu beenden, wenn sie weniger Zeit zum Üben finden. Normalerweise ist das die schlechteste Strategie überhaupt. Du hast Dich entschlossen Unterricht zu nehmen, weil Du besser werden möchtest. All die besten Sportler und Teams haben einen Coach, egal wie gut sie Üben oder wie viel sie leisten. Wenn Du weiterhin zu Lektionen kommst, wirst Du Dich auch weiterhin verbessern. Vielleicht etwas langsamer als zuvor, aber Du wirst Dich verbessern. Wenn Du ganz aufhörst, wirst Du ganz schnell nachlassen.

Zum Beispiel, Schüler die dem normalen Übungsplan folgen, verbessern sich um circa 100% pro Jahr; Schüler, die einem weniger anspruchsvollem Übungsplan folgen, verbessern sich jährlich um circa 30%-50%; Schüler die einem sehr begrenztem Übungsplan folgen, verbessern sich pro Jahr um so ungefähr 10%-30%; Schüler die ganz aufhören erleben normalerweise eine 100%-ige Senkung in ihren Fähigkeiten über drei bis sechs Monate.

Ein gutes Beispiel hierfür ist einer meiner Schüler, den ich vor vielen Jahren unterrichtet habe und der vor kurzem wieder zu mir in die Schule gekommen ist. Er hat in der Zwischenzeit wenig geübt, weil er alleine die Motivation nicht finden konnte (das kommt häufig vor). Es hat ein ganzes Jahr gedauert, bis sein Können wieder auf demselben Standard war. Natürlich hat er in diesem Jahr nicht nur wieder gelernt was er schonmal gekonnt hat, sondern er hat auch komplett neue Skills gelernt. Leider sind dann aber berufliche und persönliche Dinge dazwischengekommen und er hat wieder aufgehört, mir aber versprochen zurückzukommen. Musik ist, laut ihm, ein grosser Teil seines Lebens und ich kann das auch sehen – aber leider hat er den Gesamtüberblick nicht, sondern sabotiert durch das ununterbrochene Start-Stop Getue seinen musikalischen Fortschritt. Es wäre viel besser gewesen, wenn er durchgehalten und zumindest 20% Fortschritt pro Jahr gemacht hätte, anstatt von 100% Verschlechterung, nur um dann wieder wie verrückt daran zu arbeiten auf denselben Stand zu kommen.

Kannst Du das Gesamtbild sehen?

Verbesserung ist der Name dieses Spiels. Es ist genauso, wie mit einem Privattrainer im Gym – Du kannst die Gewichte nicht immer alleine heben, aber der Trainer ist da, um sicherzustellen, dass Du keinen schlechten Gewohnheiten verfällst und um Dich zu motivieren.

Wenn Dinge nicht so klappen, wie Du es gerne hättest oder Du schlecht Zeit zum Üben findest – mach Dir keine Sorgen, Du bist nicht alleine. Denk nie daran ganz aufzuhören, sondern sprich mit mir. Ich habe bestimmt eine gute Lösung für Dich.

In den Wochen, wo Du nicht viel zum Üben kommst, würde es Sinn machen, ältere Materialien zu überarbeiten, mit der Intention diese um zumindest 1% zu verbessern. In diesen Wochen gibt es keine neuen Übungen. Alle meine Schüler finden diese Strategie wertvoll und bitten mich öfters, zumindest einmal im Monat ältere Materialien zu wiederholen. Wusstest Du, dass, wenn man die Verbundwirkung in Betracht zieht, 1% Verbesserung jeden zweiten Tag, 100% Verbesserung alle 150 Tage bedeutet? Also auch wenn Du Dich alle drei oder vier Tage um 1% verbesserst, zahlt es sich aus.

Ich hoffe Du hast jetzt einen guten Überblick und dass Du weiterhin Unterricht nehmen wirst. Im Endeffekt möchtest Du doch ein/e bessere/r Gitarrenspieler/in werden, oder? Denk an die Statistik, die ich oben erwähnte – Schüler, die den Unterricht aufgeben verschlechtern sich normalerweise um 100% über drei bis sechs Monate – und darüber hinaus finden sie es extrem schwierig wieder anzufangen.

 

© 2013
Kevin Downing
Kevin Downing’s Guitar School
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